Susanne Dieudonné beim Vortrag
Am Ende des Artikels finden Sie den Vortrag mit dem Titel: „Kunst, Kultur und Sprache!“

Ist Kunst Kultur oder ist Kultur Kunst? – Alles beginnt mit der Sprache!

Es gibt einen Sprachfehler in unserer Gesellschaft und der kann große Folgen für uns Künstlerinnen und Künstler haben. Ist Kunst Kultur oder ist Kultur Kunst? – Alles beginnt mit der Sprache! Mehr und mehr wird „Kunst, Kultur und Sprache“ zu MEINEM Thema. Ich kann es nicht mehr hören, ich will es nicht mehr lesen und ich kann nicht fassen, dass es schienbar nur mir so ergeht!

Immer dann, wenn es in Wirklichkeit um die Kunst geht, wird der Begriff KULTUR eingesetzt. Das ist unerträglich, falsch und fatal!

Wir Künstlerinnen und Künstler werden zu „Kulturerinnen und Kulturern“ gemacht. Nun kommt auch noch der Bund mit einem Förderpaket daher. Es soll helfen, zum „kulturellen Leben im öffentlichen Raum zurückzukehren“ . Das geschieht natürlich erst nach dem Lockdown und mit Hygienekonzept.

Wenn der Bund der Kunst hilft, heißt das „Kultursommer 2021“.

Was soll ich davon halten?

Was sollen wir Künstler und Künstlerinnen davon halten?

„In seiner Sitzung am 15. März 2021 verabschiedete der Stiftungsrat der Kulturstiftung des Bundes unter Vorsitz von Kulturstaatsministerin Monika Grütters zwei neue Vorhaben: das bundesweite Programm Kultursommer 2021, das zu einer Rückkehr zum kulturellen Leben im öffentlichen Raum beitragen soll, sowie die Fortführung des erfolgreichen Förderprogramms dive in, das gegenwartsorientierte Kultureinrichtungen aller Sparten mit Sitz in Deutschland bei der Umsetzung innovativer, digitaler Vermittlungsformate unterstützt.“

Zitate von der Internetseite der Bundesregierung

Rückkehr zum kulturellen Leben?

Es gibt kein „Zurückkehren zum kulturellen Leben“. Das kulturelle Leben hat nie aufgehört und spielt sich schon die ganze Zeit ab.

Es gab nie eine Unterbrechung. Die meisten Einrichtungen des kulturellen Lebens waren geöffnet. Von der Polizei über die Feuerwehr bis hin zu Kitas, Schulen, Bundestag, Bäckereien, Kirchen, Bestattungsinstituten, Krankenhäuser, Arztpraxen und Therapieeinrichtungen, Geschäften des täglichen Bedarfs war alles immer erreichbar und wir mussten hier alle kulturell nicht darben.

Kultur ist nämlich alles was wir tun, wie wir es tun und sie wird bestimmt durch die Intention, die unser Tun leitet. Kultur entwickelt sich immer und ich kann Kultur nicht abschalten, auch nicht mit einem Lockdown.

Ausdruck von Kunst oder / und Kultur?

Die Art und Weise, wie die Gesellschaft und ihre gewählten Vertreter und Vertreterinnen in politischen Ämtern mit der Kunst und damit mit den Künstlerinnen und Künstlern umgehen, ist AUSDRUCK unserer Kultur. Damit wird deutlich, wie es um unseres Wertesystem bestellt ist. Nicht gut, wie ich finde, denn offensichtlich ist die Gesellschaft dabei, die Kunst auszuschalten. Die Kultur entwickelt sich mit unserem Tun und sie entwickelt sich in unserer Gesellschaft gerade gar nicht in Richtung Wertschätzung von Künstlerinnen und Künstlern!

Was ist Kultur?

„Kultur, die Gesamtheit der typischen Lebensformen einer Bevölkerung einschließlich der sie tragenden Geistesverfassung, besonders der Werteinstellungen (W.E. Mühlmann)“

Brockhaus, 17. Auflage

Wenn nur noch Kultur gesagt wird, wenn Kunst gemeint ist, dann haben sich die Werteinstellungen unserer Gesellschaft zu Ungunsten der Kunst gewaltig geändert! Wir Künstlerinnen und Künstler sind die „Kulturschaffenden“, die neu genannt „Kreativen“ unserer Zeit geworden. Wir sind damit für alles verantwortlich, was kulturell in Schieflage gerät, denn nur noch wir scheinen Kultur zu schaffen! Welche Geistesverfassung trägt denn aktuell eine Kultur, unter deren Einfluss so völlig ohne Geist mit der Kunst umgegangen wird? Wir müssen uns als Künstlerinnen und Künstler dringend mit der Frage beschäftigen, ob die Kunst alleine Kultur ist oder ob die Kultur alleine schon Kunst ist.

Ich lese und höre in den Medien fast nur noch den Oberbegriff Kultur. Das Wort Kunst kommt dann vor, wenn eine Dopplung des Wortes Kultur im Textfluß schlecht aussehen würde.

Wir reden nicht mehr von Konzerten, von Vernissagen, von Ausstellungen oder Schauspielaufführungen. Statt dieser wohlklingenden Begriffe gibt es nun das Wort „Kulturveranstaltungen“, die in „Kultureinrichtungen“ besucht werden dürfen.

Auch die Berufbezeichnungen „Künstler“ und „Künstlerin“ sind selten zu hören. Dafür gibt es neuerdings eben vermehrt „Kulturschaffende“ und „Kreative“. Die Kreativität jedoch ist auch in allen anderen Berufsgruppen zu finden und mit Recht zu erwarten. Aber macht die Kreativität den Klempner zum Künstler? Oder verhilft die Kreativität der Zahnarzthelferin zu künstlerischem Ausdruck? Und den oder die Kulturschaffenden finde ich auch in den städtischen Verwaltungsbetrieben, in den Fußballstadien und in den Klärwerken. Sind die dort Tätigen Künstlerinnen und Künstler, weil sie sich am Schaffen kultureller Prozesse beteiligen?

Zitate

„Coronabedingt sind derzeit viele Kulturveranstaltungen nicht möglich.“

Markt, 14. April 2021, zum Förderprogramm des Bundes: Kultursommer 2021

„Schließlich waren und sind Kulturschaffende besonders stark getroffen.“

sagt im gleichen Artikel, Markt vom 14. April 2021, die Bundestagsabgeornete, Frau Dr. Nina Scheer.

Eilantrag von Künstlern abgelehnt…Der Bayrische Verwaltungsgerichtshof (VGH) hat einen Eilantrag mehrerer Musiker gegen die Schließung von Kultureinrichtungen in der Corona – Krise abgelehnt.

Lübecker Nachrichten vom 16.4.2021, Rubrik Kultur & Leben

Kultur- Plattform des Nordens… Kultur im Norden hat seit gestern eine Adresse: kulturnetz.sh. Auf dieser Plattform sollen die vielfältigen Kulturangebote sichtbar gemacht werden….

…Außerdem wird auf die Unterstützungsmöglichkeiten hingewiesen, durch die Kulturinteressierte direkt die Kulturschaffenden in Schleswig – Holstein fördern können…“

Lübecker Nachrichten vom 16.4.2021, Rubrik Kultur & Leben

Altelier Turan wird zur Bühne…Eigentlich gibt es im Atelier von Janine Turan Schmuck – am Sonntag aber Kultur.“

Lübecker Nachrichten vom 16.4.2021, Rubrik Kultur & Leben

Zeit zum Reden!

Eine Zeitung veröffentlich und dreimal lese ich in der gleichen Rubrik die wiederholt falsche Zuordnung. Waren das die Journalisten oder war es jemand von uns ? Der Vorlagentext kam ja sicher aus einem Büro? War es ein Kunstbüro oder war es ein Kulturbüro?

Merkt irgendjemand noch irgendetwas?

Wenn ich das Wort Kunst zugunsten des Begriffes Kultur nicht mehr nutze, dann wird es bald keine Kunst mehr geben.

Alles beginnt mit der Sprache und dieser kollektive Sprachfehler treibt mich um!

Wenn ich als Künstlerin das Wort Kunst durch den allgemeinen Begriff Kultur ersetze, muss ich mich nicht wundern, wenn ich als Künstlerin nicht mehr wahrgenommen, wertgeschätzt und gesehen werde. Denn alles beginnt mit der Sprache – auch das Ende hat dort seinen Anfang!

Es wird also höchste Zeit, dass wir reden!

Kunst, Kultur und Sprache – Ein Vortrag von Susanne Dieudonné

Susanne Dieudonné

Mein Credo für die Kunst

Wir nennen uns Künstlerinnen und Künstler.

Wir erschaffen Kunst und wir bewahren die Künste.

Wir bereichern mit unserem Tun das kulturelle Leben.

Unser Tun erfüllt uns mit Stolz und Freude.

Wir Bewohnerinnen im Bloghaus der Musen sehen uns als Hüterinnen der Kunst.

Bitte, helfen Sie uns dabei.

Benutzen Sie, wie wir, immer dann das Wort „Kunst“, wenn Sie die Kunst meinen.

So werden auch Sie vom „Kulturschaffenden“ wieder zum Künstler und zur Künstlerin

und damit zu Bewahrern und Bewahrerinnen der Künste.

Herzliche Grüße von Susanne Dieudonné

1 Kommentar zu „Kunst, Kultur und Sprache“

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