Einfalt – der göttliche Funke im Advent

Die Einfalt verspricht Freude die Fülle…
nicht nur im Advent….

Wenn das Wort Einfalt heute in unserer Kommunikation genutzt wird, hören wir stets heraus, dass es etwas mit Naivität, Gutgläubig, Einfachheit oder gar Arglosigkeit zu tun habe. Den Menschen, den wir mit dem Begriff „Einfalt“ belegen, halten wir gemeinhin für schlicht, für naiv, wenn nicht sogar für dumm. Unsere Vorstellungskraft reicht kaum aus, einem solchen Menschen die Fähigkeit zum Entzünden eines göttlichen Funken zuzutrauen oder ihn gar als Inspirator bewegender Projekte zu betrachten.

Ein Kind darf einfältig sein. Einem Erwachsenen wird dieses Attribut eher nicht gegönnt. Er erscheint mit dieser, fast nach einem Makel klingenden Eigenschaft nicht wirklich überlebensfähig in unserer, sich am Verstand orientierenden Welt. Wer einfältig ist, scheint nicht im Besitz all seiner geistigen Kräfte zu sein.

Einfalt ist eine Fähigkeit!

Ist „Einfalt“ nicht etwas, was jeder und jede von uns sich innigst als Fähigkeit herbeisehnen sollte?

Ach, daß die Einfalt, daß die Unschuld nie
sich selbst und ihren heilgen Wert erkennt!

So steht es in Goethes Faust (Zitat Faust 1, Garten.)

Denn nie kann etwas mir zuwider sein,
was Einfalt darbringt und Ergebenheit.

Das lesen wir in Shakespeares Sommernachtstraum.(Ein Sommernachtstraum V, 1.Theseus)

Einfalt- Einfall – vom Funken zur Flamme

so weit sind die beiden Worte „Einfalt“ und „Einfall“ doch gar nicht voneinander entfernt. Ist die Einfalt nicht vielleicht sogar erst die notwendige Voraussetzung für Einfälle? Für Ideen? Für Inspiration?

Sich leeren und sich von der Übermacht des Verstandes zu befreien, kann dem Herzen den Weg zum Hören, zum Sehen, zum Erleben ebnen. Wann haben Sie zum letzten Mal einer Intuition Vertrauen geschenkt und nach einem spontanen Einfall gehandelt, ohne vorher den Verstand zu bemühen, der Ihnen diese schöne Idee vielleicht wieder ausgeredet hätte? Was war das für ein Erlebnis, dass Sie sich gegönnt haben?

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Ich habe mir zwei weihnachtliche Frühstücksgedecke gekauft. In meiner Einfalt hatte ich diesen Einfall, diese Idee und habe sie einfach umgesetzt. Nun bin ich glücklich, wenn ich mein Frühstücksbrot auf dem schönen roten, zum Stern geformten Teller liegen habe. Der Unterteller fügt sich, ebenso sternförmig, wie das Zahnrad einer Uhr in den Frühstücksteller, wenn ich die beiden Teller, aneinander geschmiegt, kreisen lasse.

Wie die Zahnräder einer Uhr

Es ist eine Kleinigkeit, die mich jedoch hoch erfreut und die ich meiner Intuition, meiner Einfalt zu danken habe. Der Verstand hätte mir geraten, genau diese Geldausgabe in Coronazeiten zu vermeiden, denn Künstlerinnen sollten augenblicklich lieber sparen und Teller und Tassen habe ich wahrhaftig genug im Schrank. Ich hätte aber nicht diese Frühstücksfreude, wenn ich meinen Verstand vorzeitig bemüht hätte.

Die Einfalt öffnet eine Tür, die der Verstand geflissentlich geschlossen halten möchte.

Rationales Denken und Handeln sind die gefragten Entscheidungsgrundlagen in unseren Tagen.

Und was haben wir davon?

Heute ganz aktuell: eine kollektive Coronadepression im ganzen Lande, wenn nicht sogar weltweit. Wir haben gewählte Politiker, die sich so dermaßen auf ihren Verstand verlassen, dass es weh tut zu sehen, wie wenig Verstand sich am Ende in Entscheidung kompensiert.

Oder ist die Verstandeskapazität vielleicht etwas, das abnimmt, wenn sie addiert wird? Jeder politisch Aktive scheint für sich genommen ja über ein ausreichendes Maß an Verstandesfülle zu verfügen. Nehmen wir nun aber den Politikerverstand all derer, die an konkreten Entscheidungsfindungen beteiligt sind und addieren diesen, entsteht in der Summierung der Eindruck, als wäre die Verstandesfülle durch alle Verantwortlichen geteilt und damit verkleinert worden. Sie hat sich, obwohl alle ihre Verstandesstärken zusammen geworfen haben, erstaunlicher Weise nicht vermehrt. Das können wir an den Ergebnissen leicht ablesen. Der Zweifel, der im gemeinsamen Denken liegt, lässt offenbar das Verstandeskapital schrumpfen.

Am Anfang war die Einfalt, der göttliche Funke

Die Idee, das einem selbst innewohnende Starke mit den Stärken anderer gleichen Sinnes zusammen zu tun, war eine einfältige und damit gute Eingebung. Einen kleinen Spalt breit öffnete dieser göttliche Funke die Herzenstüren der politisch aktiven Menschen, um sie sofort wieder durch den eisernen Riegel des Verstandes, geschmiedet aus Fachwissen, Fachleuten, Gremienarbeit, Gutachten und Diskussionen verschließen zu lassen. Wenn dieser Riegel erst einmal vorgeschoben wurde, ist es ganz schwer, ihn wieder zu öffnen. Und derjenige, der die Tür verschlossen hat, bekommt sie alleine nicht wieder auf.

Die Hilfe kam vor langer Zeit

Vor langer Zeit….

Vor langer Zeit kam ein Kind in diese Welt. Dieses Kind wurde nach seiner Geburt in eine Krippe gelegt. Viele Menschen kamen, um es anzuschauen und um es anzubeten, denn die Menschen gingen davon aus, dass hier Gottes Sohn in der Wiege liegt. Ein kleines Kind, vom Schicksal mit großen Aufgaben betraut, fand auf seinem Lebensweg zu den Menschen und viele Menschen fanden dieses Kind.

Es ist Advent

Wir bereiten uns erneut vor auf die Ankunft des Herrn in unserer Welt.

Wir glauben als Christen heute noch an die göttliche Kraft des Kindes, das einst in Bethlehem geboren wurde. Jesus Christus bewegte und inspirierte, er verband die Menschen miteinander, indem er zeigte, dass unser aller Leben miteinander verknüpft sind und, Zahnrädern gleich, ein Schicksal vom anderen angetrieben wird. Er hat die Menschheit aufgerufen, sich zur Einfalt zu bekennen. Wir sollen alle werden wie die Kinder, wie die Kinder Gottes, denn das sind wir alle. Er brachte die Einfalt in die Welt und damit die Kraft zum Entzünden des göttlichen Funkens im Herzen eines jeden Menschen. Dieser Funke ermöglicht es uns, unsere Aufgaben im Leben zu bewältigen, denn wir alle haben einen göttlichen Auftrag, den zu erfüllen auch wir in die Welt gekommen sind.

Matthaeus 18, 2-4
Jesus rief ein Kind zu sich und stellte das mitten unter sie und sprach: Wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß ihr umkehret und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wer nun sich selbst erniedrigt wie dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.…

Nur leider sind wir nicht alle mit der Fähigkeit gesegnet, den Funken der Einfalt in unseren Herzen zu entzünden, um damit das Licht, das uns dem Himmel schon auf Erden ein Stück näher bringen kann, aus uns heraus leuchten zu lassen.

Wir sehnen uns alle danach, dass jemand kommen möge, um dieses Licht zu entzünden, deshalb lassen wir in der Advents – und Weihnachtszeit hoffnungsvoll so viele Kerzen brennen.

Aber es war doch schon einmal jemand da, der uns vorgelebt hat, wie das mit der Einfältigkeit gehen kann. Er hat auf dieser Seite der Welt ein bewegtes Leben gelebt.

Wie oft denn noch?

Wie oft soll er denn noch kommen, bis wir Menschen begriffen haben, wie das geht mit der Einfalt und dem Aufflammen des göttlichen Funken? Aus Sicht der Verstandesmenschen ist der Lebensweg dieses göttlich inspirierten Jesus Christus nicht ganz so gut verlaufen. Er endete mit dem Tod am Kreuz. Aus Sicht der mit Einfältigkeit begabten Menschen war es ein erfülltes Erdenleben. Alle Aufgaben waren am Ende von allen beteiligten Personen erfüllt worden. Genauso wie es notwenig war, um uns alle den Menschen Jesus Christus und seine Lehren nie wieder vergessen zu lassen. Sein Leben ist, genau wie unseres, ein ewiges Leben, denn ein Lebensweg endet nicht. Wir leben jetzt und heute hier in dieser menschlichen Verstandeswelt. Und gleichzeitig leben wir jetzt schon in Gottes Ewigkeit. Wir haben die Möglichkeit, den göttlichen Funken der Einfalt zu entzünden, wann immer wir ihn brauchen. Gestern, heute und in Ewigkeit.

Der göttliche Funke

Wo Menschen sich trauen, den göttlichen Funken der Einfalt in sich zum Licht werden zu lassen, kann der Verstand ein bereicherndes Hilfsmittel im Leben werden. Und da wir die Fähigkeit grundsätzlich alle besitzen, denn wir sind alle Kinder Gottes, können wir bereits hier auf Erden beides haben, das irdisch endliche Leben und das göttliche ewige Leben, je nachdem, welchen Lebenszustand wir gerade bevorzugen. Als Krönung dürfen wir den lebensbejahenden und verbindenden Gottesfunken dann auch in all unseren Mitmenschen erkennen.

Wenn wir das schaffen, öffnen sich die eisernen Schlösser vor den Gefühlstüren der Welt und das gemeinsame herzliche Denken lässt das Verstandeskapital zugunsten gelingender und menschenfreundlicher Maßnahmen wachsen.

Wir dürfen dann, in dem dankbaren Bewusstsein, dass alles schon gewesen ist, fröhlich und einfältig singen:

O Heiland, reiß die Himmel auf.

Herab, herab vom Himmel lauf.

Reiß ab vom Himmel Tor und Tür,

Reiß ab, wo Schloß und Riegel für.

Porträt der Künstlerin Susanne Dieudonné
Die philosophische Poetin

Auch im Namen meiner Schwestern wünsche Ihnen von Herzen

eine einfältige und gesegnete Adventszeit.

Ihre

Susanne Dieudonné

1 Kommentar zu „Einfalt – der göttliche Funke im Advent“

  1. Hallo Ihr göttlichen Schwestern, ja ich habe alles jetzt zweimal gelesen. Sehr schön geschrieben, aber komplizierte Gedanken, die nicht jeder gleich verstehen kann. So ist es ja wohl auch gewollt von Euch….
    Alles Liebe und Gute für die göttlichen Schwestern
    von Hilde aus Hamfelde
    4.12.21

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